Wer nichts tut, macht mit
Medieninfo

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit nunmehr viereinhalb Jahren führt die Polizei Rheinland-Pfalz gemeinsam mit kommunalen Präventionsträgern das Projekt "Wer nichts tut, macht mit" durch. Es geht dabei um die zunehmende Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft. Dem Problem des Wegschauens, der Gleichgültigkeit und der fehlenden Zivilcourage wird durch eine Reihe von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen entgegengewirkt.

Das Phänomen des Wegschauens bei Straftaten und Unglücksfällen ist unserer Gesellschaft immer noch weit verbreitet. Hilfeleistungen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, unterbleiben, oft aus Angst vor Unannehmlichkeiten (Zeugenaussagen, der Gang zum Gericht) oder aus Handlungsunsicherheit.

Vielfach wird das direkte Eingreifen in das Tatgeschehen als Hilfeleistung verstanden und ist somit in der akuten Situation auch als die einzige Hilfsmöglichkeit im Kopf. Mit dieser Überlegung verbunden ist natürlich auch die Vorstellung bei einer Hilfeleistung selbst Opfer des Täters zu werden. Dies führt zur Passivität oder auch zur Flucht. Wir wollen mit dieser Aktion "Wer nichts tut, macht mit" immer wieder schwerpunktmäßig Grundsätze vermitteln, wie man helfen kann, ohne sich selbst in die direkte Konfrontation mit dem Täter zu bringen.

Immer dann, wenn Zielgruppen sich aktiv und intensiv mit den Möglichkeiten einer Gefahrenvermeidung auseinandersetzen, steigt die Bereitschaft zur Hilfeleistung.

Während wir in den vergangenen Jahren sehr öffentlichkeitswirksam die Aktion in die Bevölkerung transportierten, haben wir in diesem Jahr Schüler in rheinland-pfälzischen Schulen für das Thema Zivilcourage sensibilisiert.

In unserem Zuständigkeitsbereich haben 15 Schulen das Projektangebot aufgegriffen und es auf unterschiedliche Weise pädagogisch umgesetzt. Vielfach wurden die Inhalte der Aktion in bestehende gewaltpräventive Schulprojekte eingebunden.

Bei allen Aktionen wurde das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler gestärkt, gewaltfreie Konfliktlösungen erarbeitet und dadurch persönliche Fähigkeiten zur Hilfeleistung verbessert.

Folgende Schulprojekte werden vorgestellt:

  1. Gebrüder-Grimm-Schule Neustadt
    Reaktionen der Umwelt bei Konflikten

  2. Pestalozzi-Schule Ludwigshafen
    Auszeichnung Schüler des Monats
    Schlichtungsaktionen
    Aktionstag am 9.2.2006 in der Schule

  3. Integrierte Gesamtschule Ludwigshafen-Oggersheim
    Gewaltdarstellung in Medien

  4. Schloss-Schule Ludwigshafen ( Förderschule L )
    Entwicklung eines Laufprogrammes zur Förderung physischer und psychischer Stabilität -Gewaltreduzierung im sozialen Nahraum

  5. Nordring-Schule in Landau
    Streitschlichtungsprogramme

  6. Kurpfalzschule Dannstadt-Schauernheim
    Fit und Stark
    Module zur Konfliktlösung -
    Möglichkeiten des Eingreifens / der Hilfeleistung
    Bildnerische Darstellung von Formen der Zivilcourage

  7. Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium Ludwigshafen
    Grundwerte gesellschaftlichen Zusammenlebens
    Rollenspiele zum Thema Gewalt
    Dokumentation der Projekte durch die Medien-TV-AG "Humboldt-TV" im "Offenen Kanal Ludwigshafen"
    Eine Projektbeschreibung ist in der Medieninfo enthalten.

Zivilcourage unterliegt keinem Verfallsdatum. Immer wieder im polizeilichen Alltag erleben wir Situationen wo Menschen anderen Menschen beherzt Hilfe leisten, oder aber auch untätig sind. Sie meine Damen und Herren können als Medienvertreter durch ihre Berichterstattung mithelfen, die Gefahr der Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft zu verringern.

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Walser, Kriminalhauptkommissar

 

Ein Bericht in der Presse - Mannheimer Morgen 28.01.2006